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Wie uns Qualitätskriterien aus dem Journalismus bei der Bewertung von Blogs helfen können – und wie nicht.

Wir freuen uns natürlich über jeden Autor, der seine Texte in der Blogbox finden will. Leider müssen wir aber auch immer wieder Anmeldungen ablehnen, weil die Standards nicht erfüllt werden. Das fällt uns oft nicht gerade leicht. Darum möchte ich hier kurz erklären, wie wir versuchen, das Thema in den Griff zu bekommen.

Unsere Leser verlassen sich zu Recht darauf, dass wir jeden Blog und jede Website genau prüfen, bevor wir ihnen ihr lieb gewonnenes Blogbox-App-Magazin frisch bestücken. Dabei geht es für uns um die Erfüllung der technischen und rechtlichen Voraussetzungen, aber auch um die Frage nach der inhaltlichen Qualität.

Hier stellt sich natürlich schnell mal die Frage, was ist ein guter Blogartikel?
Ein paar Kriterien liegen auf der Hand: Trennung von Redaktion und Werbung, gute Schreibweise und korrekte Orthografie. Schwieriger wird es schon bei der inhaltlichen Bewertung. In der Journalistenschule haben wir gelernt, was einen guten Artikel ausmacht. Aber wie lassen sich diese Kriterien auf Blogartikel übertragen?
Eine gute Übersicht warum die Frage so komplex ist, liefert zum Beispiel Professor Klaus Meier auf der DJV-Tagung „besser online“.

Sichtbar kompliziert wird es beim so genannten Objektivitätspostulat: Selbstverständlich macht es keinen Sinn, dieses Qualitätsmerkmal aus dem Journalismus auch bei den Autoren der Blogbox anzuwenden. Dass die ganz persönliche Sichtweise der Autoren thematisiert wird, ist schließlich ein wichtiges Merkmal von Blogs. Entsprechend unsinnig wäre es, in der Blogbox die Trennung von Nachricht und Meinung oder die umfassende Recherche „nach beiden Seiten“ einzufordern.

Jedoch gibt es eine fließende Linie zwischen Authentizität und Belanglosigkeit. Man muss sich die Frage stellen, wann die persönliche Sicht auf die Dinge dem Leser einen Mehrwert bietet. Und wann die private Perspektive lediglich Ausdruck eines inhaltlichen Defizits ist. Die Frage nach dem öffentlichen Interesse kann hier helfen. Wir fragen uns: Kann man davon ausgehen, dass der Inhalt des Artikels auch für Menschen interessant ist, die den Autor nicht persönlich kennen? Oder muss man aus seinem privaten Umfeld kommen, um den Beitrag schätzen zu können? Es ist die alte Frage nach der Relevanz des Themas.

Ob ein Blog für die Blogbox geeignet ist, hängt also auch von dem Thema ab, das behandelt wird.

Eine Reisebloggerin, die minutiös von ihrer Tagesablauf auf den Malediven berichtet, hat für das Publikum Relevanz – auch wenn es nur der Faktor Neid ist. Anders sieht es bei Autoren aus, die ein ganz normales Leben aus der Ich-Perpektive aufschreiben. Nichts gegen Normalität, aber in den meisten Fällen ist es eben so, dass das Allgemeine naturgemäß an der Oberfläche bleibt. Für den Leser bleibt damit der Erkenntniswert ebenso auf der Strecke wie der Unterhaltungswert. Was Menschen spannend finden, haben Generationen von Kommunikationswissenschaftlern in der Nachrichtenwert-Theorie aufgeschrieben. Sie kamen immer wieder zu einem Ergebnis, das wenig überraschen mag: Neuigkeit, Prominenz/Relevanz und Konflikte sind die wichtigsten Kriterien, die dazu führen, dass so genannte Rezipienten ein mediales Angebot auch wirklich nutzen.

Zweifelsfrei hat aber jeder von uns ein Spezialgebiet in seinem Leben, das er mit einer besonderen Tiefe angeht, in dem er ein großes Talent besitzt oder eine außergewöhnliche Kompetenz vorweisen kann. Hier kann man die Neuigkeiten erzählen, hier kennt man die wichtigsten Streitpunkte, hier weiß man, was relevant ist. Wenn ein solcher Experte sein Wissen und seine Meinungen der Öffentlichkeit zugänglich macht, ist er genau der Richtige für Blogbox.

Blogbeiträge erreichen ihre Güte also auch dadurch, dass sie von Menschen verfasst werden, die Leidenschaft besitzen. Oft haben sie durch ihren Job oder ihr Hobby eine erstaunliche Expertise oder sogar wissenschaftliche Tiefe erreicht. Schön, dass all diese Selfmade-Experten durch Webzines und Blogs die Möglichkeit haben, die Öffentlichkeit direkt zu erreichen.

Es gibt jedoch ein paar Sonderfälle, da führt die leidenschaftliche Herangehensweise nicht immer zu Ergebnissen, die wir in der Blogbox vorzeigen wollen. Nicht schwer zu erraten, führt dies insbesondere im politischen Kontext öfter zu Problemen. Hier kann die Leidenschaft auch hinderlich sein, Prozesse so darzustellen, dass Leser davon profitieren.

Die Stärke von Blogbox ist, dass wir die Vorteile von Algorithmen und Redaktionsstandards zusammen führen. In dem sensiblen Feld der Politik haben wir von Anfang besondere Sorgfalt walten lassen. Die Blogbox will Extremisten und Meinungs-Manipulateuren keine Bühne bieten! Blogs und Websites die rechtsnationales Gedankengut verbreiten, müssen daher ebenso draußen bleiben wie religiöse Eiferer und andere Gruppierungen, die sich gegen die freiheitlich-demokratischen Grundwerte unserer Gesellschaft aussprechen.

Denn auch die Meinungsfreiheit endet da, wo die Freiheit des anderen beginnt.